The Gaslight Anthem: Handwritten

The Gaslight Anthem nähern sich immer mehr den großen Stadien, so die einhellige Meinung der Kritiker. Doch wer das neue Album „Handwritten“ auf Stadionrock, Bruce Springsteen und Produzent Brendan O’Brien reduziert, läuft Gefahr die besten Momente der Platte zu verpassen. Frontmann Brian Fallon und seine Jungs haben elf Songs geschaffen, die vor allem stark an die Zeit erinnern, in denen Blues und Rock nur eine Hand breit voneinander entfernt waren.

The Gaslight Anthem, wissen wie man zaubert. Denn sie lassen „Handwritten“ wie einen alten Vertrauten klingen. Schon beim ersten Hören der Platte kommen einem die Melodien bekannt vor, muss man mitwippen und mitsummen. Ein Phänomen, das sich so auch schon bei den Vorgängern „American Slang“ und „The ’59 Sound“ beobachten ließ und die Band auszeichnet. Denn sie verschmelzen in ihren Songs traditionelle Riffs, klassische Gitarren-Soli und Melodien zu etwas Neuem. Namen wie Bruce Springsteen, Bob Dylan und Tom Waits werden genau aus diesem Grund so gerne zu Referenzzwecken genutzt. Denn die Kunst, Songs ganz gezielt dieses gewisse Etwas zu verpassen, besitzen nur wenige.

Aber was ist nun dran, an dem Stadionrock-Gerücht? Liedern wie „45“, „Keepsake“ oder „Howl“ ihre Massenkompabilität abzusprechen, wäre wahnsinnig. The Gaslight Anthem verstehen es einfach zu gut, genau die richtige Mischung aus Mitgröhl-Refrains, verzerrten Gitarren und tanzbaren Grooves zu finden. Mit Brendan O’Brien haben sie genau den richtigen Produzenten gefunden, um eben diesen Sound zu perfektionieren.

Doch daneben gibt es diese andere Seite der Band. „Too much blood“ und „Biloxi Parish“ sind wohl die besten Beispiele dafür, dass The Gaslight Anthem auch noch rauer klingen können. Da röhren die Gitarren gleich dreckiger und Brian Fallon holt alles aus seiner Stimme heraus. Kratzig und rau wabern dann die Takte aus dem Lautsprecher und lassen erahnen, was man von dieser Band noch alles erwarten kann. Denn neben den großen Stadien, die The Gaslight Anthem ohne Frage bald buchen können, erhalten sie mit diesen Tracks den Clubsound-Charme der ersten Stunde. Genau diese Mischung aus perfekten Rocksongs und gewollter Rauheit zeichnen das Album aus.

Fazit: Die Ausfall-Quote auf „Handwritten“ tendiert gleich Null. Diese elf Songs haben es wirklich in sich. Sie sind rockig, tanzbar und trotzdem nicht zu glatt. Das führt unweigerlich dazu, dass man dieses Album immer wieder hören muss und dabei jedes Mal ein weiteres Detail entdeckt. „Handwritten“ wird hier nicht zur Floskel, sondern zum absolut treffenden Titel.

http://www.myvideo.de/watch/8591181/The_Gaslight_Anthem_45


Beitrag veröffentlicht

in

von

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*