Desiree Klaeukens im Interview

Posted by Janina Schütz on Oktober 3rd, 2013
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Foto: Tim Oehler

Desiree Klaeukens wird gerade mit ihrer EP „Warm in meinem Herz“ als große Neuentdeckung der deutschen Singer-Songwriter-Szene gefeiert. Im Interview mit Watte pusten spricht die Wahl-Berlinerin über Erfolg, Authentizität, Lampenfieber und das Verhältnis von Musik zu ihrer Arbeit als KfZ-Mechanikerin.

Du hast gerade deine erste EP herausgebracht. Das Album steht ebenfalls in den Startlöchern. Warum sollen die Menschen deine Musik hören?
Desiree Klauekens: Ich habe meine Songs nie mit dem Gedanken geschrieben, sie irgendwann mal ernsthaft zu veröffentlichen. Vielleicht haben sie dadurch eine Intimität, die man in der Öffentlichkeit sonst eher zu verbergen versucht. Ehrlich gesagt fühlt es sich für mich so an, als würde ich bald ein sehr altes Tagebuch veröffentlichen und wer will nicht gerne mal in fremden Tagebüchern herumblättern? Haha!

Momentan wirst du ein bisschen als die Neuentdeckung in der deutschen Singer-/Songwriterlandschaft gefeiert. Wie fühlt sich das an?
Desiree Klauekens:  Das fühlt sich lustig an, muss ich zugeben. Wo steigt denn die Party? Scherz beiseite. Ich habe Musik immer gerne für mich selbst gemacht, aber eher als Ausgleich zur Arbeit. Das hat mir in schwachen Momenten sehr viel Kraft gegeben, weil ich meine Gefühle damit besser verarbeiten konnte. In den Zeiten von Myspace habe ich meine Homerecordings dann auch hochgeladen, weil es mich interessierte, wie Andere darauf reagieren würden. Es ist wirklich witzig, dass mir ausgerechnet diese Plattform geholfen hat, mich heute als Musikerin vorstellen zu können. Aber so ist es. Ohne Myspace hätte ich Niels Frevert nicht kennengelernt und ohne Niels würde ich dieses Interview sehr wahrscheinlich nicht führen. Aber den Faden könnte ich jetzt auch noch weiter in die Vergangenheit stricken – so wie: „Wäre ich an diesem Tag nicht dort gewesen, dann…“ Es hilft mir nicht, das in Frage zu stellen. Ich will es jetzt nur noch annehmen, raus auf die Straße und meine Geschichte erzählen.

Wann hast du zum ersten Mal einen deiner Songs im Radio gehört (bei uns läuft „Warm in meinem herz gerade auf 917 Xfm) und was hast du dabei gedacht?
Desiree Klauekens: Ich hab noch keinen Song von mir im Radio gehört! Wann läuft er denn bei euch?
Wie ich mich dann gefühlt habe, kann ich ja dann auch noch später erzählen, oder?

Du wirkst sehr ungekünzelt, sehr authentisch. Ist das eine bewusste Ausstrahlung oder eher Zufall?
Desiree Klauekens: Ungekünzelt klingt schön und ist gleichzeitig irgendwie auch so kompliziert. Ich glaube, dass wir alle immer versuchen so unverletzlich wie möglich zu erscheinen. Ich lebe ja inzwischen in Berlin und da ist das vielleicht noch mal ein bisschen schlimmer – man muss sehr auf sich aufpassen und darauf, sich nicht in den neusten Trends und Projekten zu verlieren. Ich finde, dass das gar nicht so einfach ist.
Man fühlt sich in all der blühenden Kreativität sehr schnell minderwertig und glaubt, man reiche nicht. Da kann es schon mal passieren, dass man versucht, mitzurennen und sich selbst irgendwo vergisst. Bevor ich hierher gezogen bin, hat mich mein guter Freund und Mitmusiker Florian Glässing davor gewarnt, dass das mit der Musik in Berlin nicht unbedingt leichter werden würde. Er sprach von einem Ort auf dem Land, um Musik machen und schreiben zu können.
Ich konnte das damals überhaupt nicht verstehen, aber heute weiß ich, was er meinte. Ich bin ja im Ruhrgebiet aufgewachsen und trage mein Herz einfach auf der Zunge. Vielleicht ist es einfach auch meine Herkunft, die mich so ehrlich klingen lässt. Lange Rede, kurzer Sinn – ich möchte einfach nichts sein, was ich nicht bin. Alles andere kann man sich auch im Fernsehen anschauen.

Foto: Tim Oehler

Foto: Tim Oehler

Vor deinen Konzerten sollst du aber durchaus nervös sein. Wieso?
Desiree Klauekens: Ich würde gerne mal jemanden kennen lernen, der vor Konzerten, Ansprachen oder ähnlichen Feierlichkeiten nicht nervös ist! Ich glaube, umgekehrt wäre diese Frage wahrscheinlich sehr viel interessanter. Aber trotzdem: Man hat einfach Angst davor, etwas zu vergessen oder den Erwartungen nicht gerecht zu werden. Es kann ja so unglaublich viel schief gehen. Ich denke, für den Künstler auf der Bühne sind Fehler viel größer und dauern viel länger an als für den Zuschauer. Man versucht ja immer, seinen eigenen Ansprüchen gerecht zu werden und nichts falsch zu machen. Ich gehe oft sehr hart mit mir ins Gericht und da passiert es schon mal, dass ich mich selbst sehr verunsichere. Aber eigentlich sind es ja gerade die Fehler, die ein Konzert erst wirklich echt und besonders machen. Oder?

Du bist eigentlich gelernte KfZ-Mechanikern. Was hat dich zur Musik gebracht?
Desiree Klauekens: Ich habe noch zwei Geschwister und für meine Eltern war es nicht möglich, uns richtigen Musikunterricht zu finanzieren. Eines Tages stand dann aber mein Onkel vor der Tür und sagte, dass ich wenigstens ein Instrument bräuchte. Also sind wir ins Dorf gefahren und haben mir eine Gitarre und ein Akkordbuch gekauft. Eigentlich sollte ich die Gitarre erst zum Geburtstag bekommen, aber ich ging meiner Mutter so  auf die Nerven, dass ich sie schon ein paar Tage vorher immer für ein, zwei Stunden bekam. Ich habe dann stundenlang alle Anfänger-Akkorde geübt, die in dem Buch standen und nicht aufgehört bis ich alle konnte. Irgendwann lernte ich dann Pelikan, einen Gitarrenlehrer und Musiker aus Duisburg kennen. Er brachte mir Schach bei und spielte mir Songs von seinem Freund Tom Liwa vor. Nachdem ich Toms Musik für mich entdeckt hatte, hörte ich sehr lange nichts anderes mehr. Seine Lieder haben mich sehr lange und sehr intensiv begleitet. Als ich dann älter wurde, begann ich meine eigenen Lieder zu schreiben und sie aufzunehmen.

Autoschrauben und gefühlvolle Gitarrenmusik passen also durchaus gut zusammen?
Desiree Klauekens: Ich denke, dass ein technischer Beruf keine Gefühle ausschließt, oder? Das wäre ja noch schöner! Nur weil man an Maschinen arbeitet, ist man ja nicht selbst eine. Obwohl? Wenn ich an so manche Jobs zurückdenke, dann ist diese Frage gar nicht so unberechtigt. Aber ich glaube, dass es letztlich egal ist, ob Blaumann, Uniform oder Arztkittel. Natürlich müssen wir das Private im Beruf zurückstellen und andere Prioritäten setzen. Aber irgendwann kommen wir ja dann doch alle mal nach Hause und sind, was wir sind. Manche spielen dann Gitarre, andere gucken Fußball oder lesen ein Buch. Meine bisher heimliche Leidenschaft ist eben die Musik.

Vielen Dank für das E-Mail-Interview!

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